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    Die Richtlinie über das Folgerecht

    Die unterschiedliche Ausgestaltung des Folgerechts in den einzelnen Staaten der Europäischen Union sowie die Tatsache, dass einige Länder gar kein Folgerecht kannten, wurde als Hindernis für die freie Entfaltung des EU-Binnenmarktes gesehen. Deshalb verabschiedete die EU am 27. September 2001 eine Richtlinie (2001/84/EC) über das Folgerecht.

    Den einzelnen Staaten wurde eine großzügige Umsetzungsfrist bis Ende 2005 gewährt. Aufgrund der Richtlinie hatte man das Folgerecht in Österreich, den Niederlanden, Irland, Malta und in Großbritannien überhaupt erst eingeführt. Diesen Ländern wurde jedoch zusätzlich eine weitere Übergangsregelung gewährt, nach der sie das Folgerecht bis Ende 2011 nur für lebende Künstler einführen konnten. Erst seit Anfang 2012 ist das Folgerecht in der gesamten Europäischen Union vollständig harmonisiert, d.h. berechtigt unterschiedslos Künstler sowie deren Erben.
        
    Die Richtlinie verpflichtet die Staaten der Europäischen Union nicht nur zur Einführung des Folgerechts, sie gibt auch einen engen Korridor für dessen Ausgestaltung vor. So harmonisiert die Richtlinie die Werkkategorien auf die das Folgerecht anwendbar ist, die betroffenen Verkaufsvorgänge sowie die Vergütungssätze. Auch die Deckelung der Vergütung bei 12.500 Euro pro Transaktion sowie die Schutzdauer bis 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers sind einheitlich geregelt. Der einzige wesentliche Punkt in welchem die Mitgliedsstaaten einen Gestaltungsspielraum haben, ist die Festsetzung des Mindestverkaufspreises, ab dem die Folgerechtsvergütung einsetzt. Je niedriger diese Schwelle liegt, desto mehr Künstler profitieren vom Folgerecht. Während sich Deutschland für 400 Euro entschieden hat, setzt das Folgerecht in Frankreich erst ab 750 Euro ein und in Österreich sogar erst ab einem Verkaufspreis von 2.500 Euro. Der von der Richtlinie vorgegebene Höchstwert liegt bei 3.000 Euro.

    Der Branchendialog 2013
    Im Jahr 2013 organisierte die EU-Kommission einen Dialog zwischen Kunsthandel und Verwertungsgesellschaften, um Lösungen zu Problemen der Administration des Folgerechts in der Praxis zu finden. Als Ergebnis wurde eine Empfehlung erarbeitet, zu deren Umsetzung sich beide Seiten verpflichtet haben.

    So werden zum Beispiel die Verwertungsgesellschaften dem Kunsthandel elektronische Informationen über die folgerechtsberechtigten Künstler zur Verfügung stellen (Die Bild Kunst bietet schon seit langem eine entsprechende Online-Datenbank an). Der Kunsthandel wird wiederum den Verwertungsgesellschaften Informationen über den Verkauf von folgerechtspflichtigen Werken in einem abgestimmten Format übermitteln; auch das funktioniert in Deutschland bereits relativ reibungslos.

    Im Jahr 2015 wird die EU-Kommission die Umsetzung des Folgerechts in Europa erneut überprüfen.