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    Folgerecht: Worum geht es?

    Eigentlich müsste das Urheberrecht an den Werkgenuss anknüpfen: Immer wenn jemand ein Buch liest, sich einen Kinofilm anschaut oder ein Gemälde betrachtet, würden dem Urheber ein paar Cent Vergütung überwiesen werden. Bei genauerer Betrachtung würde ein solches System allerdings die totale Überwachung voraussetzen, so dass der Gesetzgeber wohl beraten war, die Lizenzpflicht eine Stufe über dem Werkgenuss, bei der Werkvermittlung anzusetzen.

    Die Vergütung müssen somit diejenigen entrichten, die urheberrechtlich geschützte Werke einem Publikum vermitteln. Dies geschieht traditionell durch Aufführung eines Werkes (Oper, Theater, Konzert, Kino), durch Vervielfältigung und Verbreitung von Kopien des Werkes (Bücher, CDs, DVDs) oder durch elektronische Übermittlung (Radio, Fernsehen, Internet). Kennzeichnend ist jeweils, dass das Original – also das Erstexemplar des Werkes – wirtschaftlich keine Rolle spielt.

    Anders sieht es im Bereich der Bildenden Kunst aus. Hier dreht sich alles um das Original: nur dieses ist wertvoll. Das Poster der Mona Lisa im Wohnzimmer ist nicht viel wert; das Original im Louvre jedoch unbezahlbar. Aufgrund dieser Fixierung auf das Original erhält der Künstler für sein Werk im Normalfall nur einmal eine Vergütung – nämlich wenn er es verkauft. An späteren Wertsteigerungen profitieren nur die jeweiligen Eigentümer des Werkes und die Vermittler; also der Kunsthandel und die Versteigerer. Diese Tatsache stellt eine Benachteiligung der Bildenden Künstler im Vergleich zu den Urhebern anderer Werkkategorien dar; also zum Beispiel Buchautoren oder Komponisten. Denn diese erhalten für alle oben beschriebenen Aufführungen, Vervielfältigungen, Sendungen und Verfilmungen Tantiemen (zumindest sollte es so sein).

    Hier setzt das Folgerecht an: Es "folgt" dem Werk, wenn dieses den Eigentümer wechselt, und gewährt dem Künstler eine kleine Beteiligung am Verkaufspreis. Je häufiger das Werk den Eigentümer wechselt, desto beliebter wird es und desto größer dürfte die Wertsteigerung sein, die es von Verkauf zu Verkauf erfährt. Die Beteiligung des Künstlers ist gerecht, beruht doch die Wertsteigerung maßgeblich auf der Reputation, die er oder sie sich im Laufe eines Künstlerlebens mühevoll erarbeitet. Dabei soll nicht in Abrede gestellt werden, dass auch der Kunsthandel maßgeblich zur Reputation eines Künstlers beitragen kann. Allein er profitiert bereits durch die Marge, sprich die Differenz zwischen Ankaufs- und Verkaufspreis.

    Das Folgerecht ist eine französische Erfindung. Es wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts eifrig diskutiert, um dann 1920 in Kraft gesetzt zu werden.

    Unmittelbarer Anlass war der Verkauf des Gemäldes "Der Engel" von Jean-Francois Millet, das einen bedeutenden Preis erzielte. Die Familie des Künstlers lebte währenddessen in bitterer Armut. Ein tieferer Grund bestand darin, die Witwen und Familien von Künstlern zu unterstützen, die im ersten Weltkrieg gefallen waren.

    Belgien folgte bereits 1921 mit der Einführung eines Folgerechts, Italien 1942, Deutschland dann1965 und Spanien 1987, um nur einige Beispiele zu nennen. Heute haben zirka 70 Länder weltweit ein Folgerecht in ihr Urheberrecht eingeführt.

    Das Folgerecht ist auch im "Berner Übereinkommen zum Schutz von Werken der Literatur und Kunst" geregelt. Dieses Regelwerk, dem fast alle Staaten beigetreten sind, normiert urheberrechtliche Grundregeln und schafft damit eine Basisharmonisierung des Urheberrechts auf der ganzen Welt. Die Vertragsstaaten werden jedoch nicht verpflichtet, das Folgerecht in ihre nationale Gesetzgebung aufzunehmen. Die Anwendung des Rechts wird deshalb auf solche Werkverkäufe beschränkt, bei denen der Künstler in einem Land mit Folgerecht lebt und auch der Verkauf in einem solchen Land stattfindet (Prinzip der Gegenseitigkeit).