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    Die Geschichte der VG Bild-Kunst

    © VG Bild-Kunst
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    Geburtsstunde und Anfänge
    Zu den jüngeren Verwertungsgesellschaften gehört die VG Bild-Kunst, die von bildenden Künstlern im März 1968 in Frankfurt am Main als wirtschaftlicher Verein ins Leben gerufen wurde. Nach dem Vorbild der Musikschaffenden und der literarischen Autoren wollten nun auch die bildenden Künstler ihre urheberrechtlichen Interessen wahrnehmen. Ihr Ausgangspunkt war das so genannte Folgerecht. Es verpflichtete im Urheberrechtsgesetz von 1965 Galeristen und Auktionäre, bei Weiterverkäufen von Kunstwerken ein Prozent der Erlöse an die Urheber oder ihre Erben zu zahlen. Die Künstler, die ihre Werke nur einmal verkaufen konnten, waren damit an den Wertsteigerungen im Kunstmarkt beteiligt. Die neue „Bild-Kunst Gesellschaft zur Wahrnehmung und Verwertung der Rechte und Ansprüche bildender Künstler“ setzte sich zum Ziel, diese Regelung durchzusetzen und zu verbessern. Viele Künstlerkollegen reagierten auf entsprechende Rundschreiben positiv. Beim Frankfurter Künstlerkongress des Berufsverbandes Bildender Künstler im Juni 1971 bestätigten sie dieses Interesse.

    Widerstand und Protest
    Widerstand kam dagegen vom Kunsthandel. Dieser nahm noch zu, als die Urheberrechtsnovelle von 1972 den Abgabesatz auf fünf Prozent erhöhte und den Händlern außerdem strengere Auskunftsverpflichtungen auferlegte. Einzelne Galeristen drohten Künstlern sie nicht mehr zu vertreten, wenn diese sich der neuen Verwertungsgesellschaft angeschlossen hatten. Einige prominente Mitglieder ließen sich durch solche Drohungen zum Austritt bewegen. Dagegen protestierten Künstler wie Gerhard Richter aus anderen Gründen gegen das neue Gesetz. Richter hatte pauschale Abgaben gewünscht, womit man auch jüngere Kollegen hätte fördern können. Dem stand das deutsche Urheberrecht entgegen, das nur individuelle Vergütungen erlaubte.

    Die ersten Jahre waren magere Jahre. Der Bild-Kunst hatte ihren Sitz in der Wohnung des Frankfurter Malers und Grafikers Paul Rötger und wuchs nur langsam. Ende 1969 umfasste der Verein gerade einmal 26 Mitglieder. Es gab noch keinerlei Einnahmen, dagegen Kosten, die durch einen Kredit gedeckt werden mussten.

    Wachsende Mitgliederzahl seit 1974
    Die Mitgliederzahl erhöhte sich auf ca. 2.000, als 1974 auch andere Bildurheber wie Illustratoren, Fotografen, Grafikdesigner und Bildagenturen hinzukamen. Sie gründeten in der VG Bild-Kunst ihre eigene Berufsgruppe, die sich vor allem auf die zwei Jahre zuvor eingeführte Bibliothekstantieme konzentrierte. Dazu wurde 1975 ein Kooperationsvertrag mit der VG Wort geschlossen. Die Einkünfte aus der Bibliothekstantieme verbesserten endlich die angespannte Finanzlage der Verwertungsgesellschaft. Sie konnte Büros in München und Frankfurt eröffnen und damit beginnen, die Rechte ihrer Mitglieder auch gegenüber Verlagen zu vertreten.

    Entwicklung
    Gegner der VG Bild-Kunst warfen ihr häufig eine unwirtschaftliche Arbeitsweise vor. Tatsächlich wurden 1978 von den Erträgen in Höhe von 838.000 DM - die vor allem der Bibliothekstantieme entstammte - mehr als 590.000 DM für Verwaltungskosten verwendet. Angesichts negativer Pressemeldungen stieg die Mitgliederzahl zunächst nur langsam (1978 auf 2.700, 1980 auf 3.400). Die Vorstellung, dass eine kollektive Wahrnehmung von Rechten sinnvoll sein könne, war den bildenden Künstlern damals meist noch fremd. Sie tendierten dazu, die Verbreitung von Abbildungen ihrer Werke als Werbung anzusehen. Ähnlich wie zu den Gründungszeiten der musikalischen Verwertungsgesellschaften, als Komponisten von den neuen Gebühren sinkende Aufführungszahlen befürchteten, meinten auch viele Bildurheber, die neuen Geldforderungen würden die Verbreitung ihrer Werke behindern.

    Zu den Gegnern der Verwertungsgesellschaft gehörten neben den Galeristen zunächst auch die Verleger. 1977 kam es jedoch zu einer ersten Kooperation mit dem Börsenverein der Deutschen Buchhandels. Schnell erkannte man, dass die kollektive Wahrnehmung von Bildrechten beiden Seiten Vorteile brachte. 

    © Patrizia Gehlhaar
    Mit anderen Verbänden und Organisationen teilt sich die VG Bild-Kunst die Verwaltungsräume in Bonn.

    Eintritt Filmurheber und Umzug nach Bonn
    Ab 1982 wurden auch Filmurheber und Filmproduzenten in die VG aufgenommen, die dort eine dritte Berufsgruppe bildeten. Ihr Interesse entsprang aus der rapiden Zunahme privater Nutzungen durch Tonkassetten und Videogeräte. Aber auch bei anderen Gruppen der bildenden Künstler führten neue Reproduktions- und Vorführungstechniken zu einer Vergrößerung des Verwertungsspektrums.Trotz dieser Ausweitung ihres Aufgabenbereichs bemühte sich die VG Bild-Kunst um eine schlankere Organisationsstruktur, um die zunächst noch sehr hohen Kosten zu reduzieren. Die Verwaltung wurde vereinheitlicht und rationalisiert, dabei 1986 die Geschäftsstelle weitgehend von München nach Bonn verlagert. Zu den treibenden Kräften dieser Reform gehörte Gerhard Pfennig, der Bundesgeschäftsführer des Berufsverbandes Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK), der bis Ende 2011 als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der VG Bild-Kunst die Gesellschaft mit großer Sachkenntnis geleitet hatte.

    © Patrizia Gehlhaar
    Das Haus der Kultur in der Weberstraße in Bonn.

    Bonner Verwaltung heute
    Seit 1995 ist die Bonner Hauptverwaltung mit ca. 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im dortigen "Haus der Kultur" untergebracht. Daneben verfügt die Verwertungsgesellschaft über ein Büro in Berlin; es sind die ehemaligen Räume des DDR-eigenen "Büros für Urheberrechte". Mit den anderen deutschen Verwertungsgesellschaften arbeitet die VG Bild-Kunst eng zusammen. So verwaltet sie die Bibliothekstantieme in einer gemeinsam mit der VG WORT und der GEMA gegründeten Zentralstelle. Über vierzig Jahre nach ihrer Gründung ist sie auf heute rund 56.000 Mitglieder angewachsen. Seit 1985 gehören zu ihr auch Szenenbildner, Kostümbildner und Filmarchitekten.

    ©Autor: Dr. Albrecht Dümling