Folgerecht in Deutschland

In Deutschland ist das Folgerecht in § 26 des Urheberrechtsgesetzes normiert.

Es wird dadurch ausgelöst, dass ein Werk der Bildenden Kunst oder der Fotografie unter Beteiligung eines Kunsthändlers oder Versteigerers weiterverkauft wird, und zwar in einem Zeitraum bis zu 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers. Baukunst und angewandte Kunst sind nicht umfasst, Transaktionen zwischen Privatpersonen auch nicht.

Weitere Voraussetzungen sind: der Veräußerungserlös beträgt mindestens 400 Euro, die Transaktion findet in Deutschland statt und der Künstler ist Deutscher oder Staatsbürger eines Landes, das ebenfalls ein Folgerecht kennt. (Wird das Werk eines US-Amerikaners in Deutschland verkauft, so wird kein Folgerecht fällig, weil die USA noch kein Folgerecht gesetzlich eingeführt haben.)

Die Höhe des Vergütungsanspruchs richtet sich nach dem Netto-Verkaufserlös; sprich dem Verkaufspreis ohne Umsatzsteuer. Die Beteiligung des Künstlers beginnt bei vier Prozent und schmilzt ab einem Verkaufserlös von mehr als 50.000 Euro langsam ab. Bei 12.500 Euro ist die Vergütung gedeckelt, d.h. für einen einzigen Verkauf gibt es keine höhere Beteiligung für den Künstler, auch wenn sich das Werk für mehrere Millionen Euro verkauft.

Auskunftsansprüche gegen den Kunsthandel können nur durch eine Verwertungsgesellschaft geltend gemacht werden. In Deutschland administriert die Bild Kunst das Folgerecht.

Das gesamte Vergütungsaufkommen pendelt seit 2007 zwischen vier und fünf Mio. Euro, wovon zirka eine Million Euro aus dem Ausland an die Bild Kunst für die dortigen folgerechtspflichtigen Verkäufe von Werken ihrer Mitglieder überwiesen werden.

Wenn ein Folgerecht fällig wird, macht es nur einen kleinen Teil des Verkaufserlöses aus. Trotzdem stellt es eine bedeutende Einnahmequelle für Künstler dar, die häufig nur über ein unterdurchschnittliches Einkommen verfügen.
Nach dem Tod des Künstlers erhält das Folgerecht eine noch größere Bedeutung für die Erben. Denn einerseits können diese keine neuen Kunstwerke erschaffen, andererseits trifft sie häufig die Last des Managements der Hinterlassenschaft des Künstlers (Lagerung, Restaurierung, Katalogisierung, Forschung).