IGBK-Stellungnahme zum neuen EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport

Die Internationale Gesellschaft der Bildenden Künste (IGBK) kritisiert die endgültige Bestätigung des ungarischen Politikers Tibor Navracsics zum neuen EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Sport.

Der neu gewählte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker setzt sich mit der Nominierung Navracsics' sowohl über das Votum des Kulturausschusses des Europaparlaments als auch die Proteste europäischer Kulturorganisationen hinweg. Der Kulturausschuss hatte sich nach einer Anhörung gegen Tibor Navracsics als EU-Kommissar für Bildung, Kultur, Jugend und Bürgerschaft ausgesprochen, ihn aber grundsätzlich für geeignet erachtet, den Posten eines EU-Kommissars auszufüllen. Darüber hinaus hatte u. a. die Organisation Culture Action Europe, ein Zusammenschluss von Personen und Organisationen, der über 80.000 Kunst- und Kulturschaffende in Europa eine Stimme verleiht, die Nominierung kritisiert.

Als ehemaliger ungarischer Justizminister im Kabinett der rechtskonservativen Regierungspartei FIDESZ ist Tibor Navracsics mitverantwortlich dafür, dass in Ungarn die kulturelle Vielfalt der Gesellschaft drastisch eingeengt wurde. In der ungarischen Kunst- und Kulturszene wurde gar der Vorwurf einer 'Gleichschaltung' laut, da die Regierung schon seit Jahren auf wichtige Museen und Ausstellungseinrichtungen durch Budgetkürzungen und personelle Umbesetzungen massiv politischen Druck ausübt. Der Ruf nach einer qualifizierten Persönlichkeit, die glaubwürdig die Meinungsfreiheit und die Vielfalt von Kunst und Kultur in Europa repräsentiert, blieb damit ungehört. Das Ressort von Tibor Navracsics wird nun lediglich um die Zuständigkeit für die 'Bürgerschaft' beschnitten und durch das Ressort Sport ergänzt. Die Stellungnahme, der sich zahlreiche Europäische Kulturorganisationen angeschlossen haben, finden Sie auf der Website von Culture Action Europe.