Mitgliederversammlung Bild-Kunst: "Die Urheber stehen im Mittelpunkt"

Dieses Jahr hatte die VG Bild-Kunst am 6. Juli zu ihrer Mitgliederversammlung nach Bonn ins Hotel Dreesen direkt am Rhein eingeladen. Zirka 100 Mitglieder der drei Berufsgruppen haben die Reise angetreten, um den neuen Verwaltungsrat zu wählen und über eine Reihe von Verteilungsplanbeschlüssen abzustimmen. Die niedrige Zahl der Anwesenden täuscht jedoch: Die VG Bild-Kunst ist eine "repräsentative Demokratie" und praktiziert ein System der Stimmübertragungen auf Verbände und Einzelpersonen. Dadurch waren die Stimmen von mehr als 5.500 Mitgliedern vertreten. Bei insgesamt 52.000 Mitgliedern stellt dies eine für Verbandstätigkeit gute Wahlbeteiligung dar, die allerdings noch steigerungsfähig ist.

Im Zentrum standen diesmal – wie alle drei Jahre – die Wahlen. Nicht nur über die Zusammensetzung des Verwaltungsrats musste abgestimmt werden, sondern auch über den ehrenamtlichen Vorstand, die Mitglieder der Vergabebeiräte der Stiftungen Kultur- und Sozialwerk sowie die Bewertungskommission Film. Es war keine ganz leichte Aufgabe, diese Wahlen ohne große Verzögerungen durchzuführen, zumal das Wahlverfahren der VG Bild-Kunst nicht zu den Einfachsten zählt. Durch den gut vorbereiteten Einsatz zahlreicher Helfer aus der Bonner Geschäftsstelle verliefen die Wahlen jedoch reibungslos.

Naturgemäß kommt bei Sitzungen mit Wahlen die Diskussion über Verteilungsplanänderungen ein wenig zu kurz. Diese waren jedoch zum größten Teil in der Verwaltungsratssitzung am Vortag gut vorbereitet worden. Den meisten Raum nahm die Reform des Meldeverfahrens der Berufsgruppe II für Werke in Zeitungen und Zeitschriften ein. Hier wird in Zukunft nicht mehr nach Medium gemeldet, sondern nach Auftraggeber. Über die Details des Beschlusses wird die Geschäftsstelle in Kürze an anderer Stelle der Website ausführlich berichten.

Die Ergebnisse der Wahlen finden Sie hier.

Der Name der Bild-Kunst

Im Hinblick auf den Antrag zur Namensänderung darf zunächst gemeldet werden, dass hier kein Beschluss gefällt worden ist. Trotzdem haben sich sehr viele Mitglieder für eine Änderung ausgesprochen: für die Streichung des Begriffs "Verwertungsgesellschaft". In der heutigen Zeit ist dieser Begriff in der Öffentlichkeit so negativ besetzt, dass hieraus echte Nachteile entstehen. Jedoch ist die Findung einer besseren Alternative - die zudem griffig sein muss - kein leichtes Unterfangen, denn zur Namensänderung ist die Zustimmung von ⅔ der Mitglieder einer jeden Berufsgruppe erforderlich. Da nun die Diskussion in vollem Gange ist, kann die VG Bild-Kunst hier im kommenden Jahr sicher ein Ergebnis erzielen.

Aus der Mitgliederversammlung

Im programmatischen Teil rief der geschäftsführende Vorstand, Dr. Urban Pappi, zu einer konstruktiven Debatte über ein modernes Urheberrecht nach der Bundestagswahl auf. Die Urheberrinnen und Urheber seien nach den Angriffen von Piraten und der "Netzgemeinde" aufgewacht und müssten sich jetzt für ihre Sache aktiv engagieren. Die Position der Rechteinhaber dürfe nicht alleine von Produzenten, Musiklabels und Verlegern definiert werden, denn die Kreativen haben eigene Interessen. Diese müssten nun gebündelt mit einheitlicher Stimme in die Debatte eingebracht werden, zum Beispiel von der Initiative Urheberrecht.

Dr. Urban Pappi betonte die große Bedeutung der Geräte- und Leermedienabgabe für die Kreativen. Dieses Geld komme bei der Basis an, abgesichert durch Gesetz und Rechtsprechung. Es gilt, ein Bündnis mit den Verbrauchern und ihren Organisationen zu schließen, denn schließlich profitieren alle von der Privatkopiefreiheit. Ohne diese müsste jedermann für die notwendigen Lizenzen mehr bezahlen; Geld, das nicht in den Taschen der Kreativen ankomme, sondern alleine die Gewinne von Apple & Co. weiter steigere. Vom Wegfall der Abgabe würden zudem allein die amerikanische und asiatische Geräteindustrie profitieren. Der Beweis aus Spanien: Dort wurden die Abgaben vor Kurzem abgeschafft – ohne, dass die Geräte dadurch billiger wurden.

Die VG Bild-Kunst wird sich nicht nur in der politischen Debatte um das Urheberrecht engagieren. Ganz wesentlich ist, dass sie die drei Ziele Service, Effizienz und Transparenz umsetzen will. Sie ist und bleibt ein Verein ihrer Mitglieder und muss vor allem ihr Kerngeschäft dynamisch weiterentwickeln, um auch in Zukunft als gutes und wirkungsvolles Instrument der von ihr vertretenen Kreativen wahrgenommen zu werden.