15. Juli 2026Mitglieder, Verein
Mitgliederversammlung 2026
In diesem Jahr fand die Mitgliederversammlung am Samstag, dem 11. Juli, in Düsseldorf statt. In seinem Geschäftsbericht zog Urban Pappi Konsequenzen aus dem Erlösrückgang: Die Abhängigkeit der VG Bild-Kunst von der Privatkopievergütung müsse verringert werden. Dies setze voraus, dass neue, kollektiv zu verwaltende Erlösquellen vom Gesetzgeber robust ausgestaltet würden. Gerichtsverfahren, die teilweise länger als zehn Jahre in Anspruch nehmen, seien für die Urheber*innen nicht hinzunehmen.
Dr. Urban Pappi
Hinter einem Podium steht ein Mann, dahinter ein großer Bildschirm. Im Vordergrund sitzen viele Menschen: Einige zeigen auf, um sich zu Wort zu melden. Ganz im Vordergrund rahmt ein Bildschirm einen Teil der Szenerie ein. In zwei Sprechblasen sieht man aufzeigende Hände.

Die Erlöse der VG Bild-Kunst sanken von EUR 66,1 Mio. (2024) auf EUR 58,8 Mio. (2025). Der schmerzhafte Rückgang um EUR 7,3 Mio. wurde maßgeblich durch sinkende Kopiervergütungen verursacht, die knapp drei Fünftel der Gesamterlöse ausmachten. Das System der Privatkopievergütung sei zwar nach wie vor stabil, erläuterte Urban Pappi in seinem Bericht, jedoch bröckele es an den Rändern: Neue Rechteinhabergruppen – Games-Produzenten und Sendeunternehmen – forderten Beteiligungen; auf der anderen Seite lasse eine Ausweitung der Vergütungspflicht auf Cloudspeicher-Betreiber auf sich warten.

Sinkende Erlöse bei gleichbleibenden Kosten (EUR 9 Mio.) führten zu einem höheren durchschnittlichen Kostensatz: Dieser lag 2025 bei 15,26 Prozent brutto und 11,80 Prozent netto (nach Zins-Gegenrechnung). Das hohe Niveau der Kosten ist auf Investitionen in die IT-Systeme zurückzuführen.

Diese Investitionen seien notwendig, so Urban Pappi, damit die VG Bild-Kunst die Herausforderungen der modernen Zweitrechteverwertung stemmen könne, die stark datengetrieben sei. Zwar erhält die VG Bild-Kunst zurzeit keine Nutzungsmeldungen von ihren Vergütungsschuldnern. In Zukunft könne sich dies aber ändern. Alternativ müsse man sich vorbereiten, Datenquellen von Dritten zum Zwecke der Verteilung zu verarbeiten.

Die Investitionen in IT-Systeme dienten auch der Verbesserung des Services für die Mitglieder sowie einer Effizienzsteigerung in der Verwaltung: Die VG Bild-Kunst sei die umsatzschwächste der mitgliederstarken deutschen Verwertungsgesellschaften. Unter diesen Bedingungen gelänge die Betreuung von über 70.000 Mitgliedern nur mittels technischer Unterstützung. Selbstkritik ist angesagt: Der Ausbau der digitalen Infrastruktur hätte früher in Angriff genommen werden müssen.

Die VG Bild-Kunst unterscheidet noch ein anderes Merkmal von ihren Schwestergesellschaften GEMA, GVL und VG Wort: Sie vertritt in drei Berufsgruppen eine große Menge unterschiedlicher Branchen. Dies hat in der Praxis zur Folge, dass sehr viele Geschäftsprozesse bewältigt werden müssten, was zu erhöhten Kosten führe. Der Vorstand hat deshalb eine Initiative der Überprüfung dieser Prozesse angestoßen. Als eine der ersten Maßnahmen beschloss die Mitgliederversammlung der VG Bild-Kunst, die Rechtewahrnehmung für Filmproduzent*innen im Ausland künftig möglichst über eine Repräsentationsvereinbarung mit einer anderen Produzentengesellschaft durchführen zu lassen. Die Diskussion in der Versammlung zeigte allerdings, dass nicht allein die Effizienz Maßstab des Handelns der VG Bild-Kunst sein kann. Auch politische Überlegungen müssen beachtet werden.

Einigkeit besteht darin, dass eine wirksame VG Bild-Kunst neue Erlösquellen in der Zweit- und Sekundärrechteverwertung erschließen muss, um ihre Relevanz in der Zukunft zu bewahren. Die Voraussetzungen hierfür sind gut, schließlich steigt die Relevanz der kollektiven Rechtewahrnehmung im Plattform- und KI-Zeitalter rasant an: Der oder die Einzelne kann gegenüber global agierenden Akteuren nichts ausrichten. Kollektiv hingegen können angemessene Vergütungen nach wie vor durchgesetzt werden, wenn die Politik hierfür die Voraussetzungen schafft. Hierfür setzt sich die VG Bild-Kunst ein!

Bildmaterial: Malte Knaack c/o kombinatrotweiss.de